St. Urbanus in Birgden

Nach einem archäologischen Befund dürfte im Jahr 1457 in Birgden eine Kapelle gebaut worden sein, die im Jahre 1522 zu einer zweischiffigen Kirche ausgebaut wurde.

Der heutige, recht große dreischiffige Kirchenbau im neugotischen Stil, wurde 1868/69 unter Pfarrer Johann Theodor Weber erbaut. Dem Langhaus ist ein mächtiger Westturm aus Backstein-Mauerwerk vorgelagert. Er dient heute als Glockenturm. Zu Zeiten seiner Erbauung um 1480 war er darüber hinaus ein Feuerbeobachtungspunkt (s. E. Renard, 1904, Kunstdenkmäler der Rheinprovinz) und nachweislich auch ein Wehrturm. Der fünfgeschossige gewaltige Turm wird durch zweimal zwei Blenden an den Seiten gegliedert und endet heute in einem steilen Pyramidendach. Bereits i. J. 1652 waren Kirchturmuhren angebracht. Kirche und Turm wurden nach Zerstörungen im 2. Weltkrieg wiederhergestellt.

Birgden war mehrere Jahrhunderte Rektorats- und später Kuratskirche unter der Mutterpfarre Gangelt. Als erster Pfarrer von Birgden wird für das Jahr1656 Petrus Hilgers genannt (vis. 1647, f 86r, 97r). Dies dürfte auch der Zeitpunkt gewesen sein, an dem sich Birgden nach mehr als 150jährigen erfolglosen Bemühungen vollständig von der Mutterpfarre Gangelt lösen konnte. Diesen Pfarrer und alle vorherigen Rektoren, Kuraten sowie die nachfolgenden Pfarrer durften die Birgdener nach einer herzoglichen Anordnung, die auf eine Urkunde des Lütticher Fürstbischofs, Ludwig von Bourbon vom 4. Okt. 1478 zurückgeht, selbst bestimmen. Die kleine Pieta (um 1500) ist ein Werk aus der unmittelbaren Umgebung des Meisters von Beeck, von dem auch die Kreuzigungsgruppe in Gangelt stammt. Die alte, farbige Fassung blieb weitgehend erhalten. Bei dem Kruzifixus (Missionskreuz) in der Turmhalle, etwa 80 cm hoch, handelt es sich um eine gute, maasländische Arbeit (um 1500). Der Gekreuzigte als bereits verstorben dargestellt, ist scharf modelliert und mit einem großen, flatternden Lendentuch ausgestattet.

Eine lange als Hl. Maria Magdalena verehrte wundervolle Plastik wurde nach intensiven wissenschaftlichen Untersuchungen als Mutter Gottes im Ährenkleid identifiziert. Sie ist ein eigenhändiges Werk des niederrheinischen Bildhauers Hendrick Douverman aus der 1. Hälfte des 16. Jh. (auch berühmt durch seine Werke in der Nicolaikirche in Kalkar und im Dom zu Xanten). Die Gottesmutter mit überreichem Lockenschmuck beeindruckt mit ihrer eleganten, betenden Haltung. Die phantasievolle Darstellung und die souveräne Beherrschung der Schnitztechnik machen die Figur zu einem der wertvollsten Kunstwerke der weiteren Umgebung. Diese ganz besondere Statue wurde 1926 anl. des Pfarrerwechsels, Pfarrer Hubert Bolten folgte 1926 dem legendären Pfarrer Wilhelm Weber nach, auf dem Birgdener Pfarrhaussöller wiederentdeckt.

Die kleine, bäuerliche Barockfigur des Kirchenpatrons St. Urban, stammt aus dem 18. Jh.

Auf dem alten eingeebneten Friedhof an der Kirche sind noch einige Grabsteine des 17.-18. Jh. vorhanden.
Am Ortsausgang nach Kreuzrath steht eine kleine Kapelle des 18. Jh. mit einem Betkreuz, malerisch zwischen zwei hohen Linden. Seit einer Vision, die Kinder aus Birgden dort 1798 hatten, ist die Kapelle Ziel einer örtlichen Wallfahrt.

Manfred Molls, Mitglied des Geschichtskreises Birgden e.V.